PrUB, JS-FS 98

© Jürgen Sarnowsky, Hamburg (2003)




 1393 Januar 4. Marienburg.  
{Regest}
Hochmeister [Konrad von Wallenrode] an Herzog Johann von Görlitz: braucht für weitere Verhandlungen über den Kauf oder die Pfandnahme der Neumark erst genauere Informationen über die Rechte und Einkünfte der Herschaft sowie über die Freiheiten der Ritter, Städte etc.; berichtet über die bereits getätigten Verhandlungen mit dem Abt von Neuzelle und Hermann Schoef; hofft, bei erfolglosen Verhandlungen nicht mit seinem Orden beim Herzog in Ungnade zu fallen.

{Überlieferung}
C = [olim Livländisches Privilegienbuch, p. 28-30].
 

{Drucklegungen}
aus C: Codex Diplomaticus Prussicus, Urkundensammlung zur älteren Geschichte Preussens aus dem königl. Geheimen Archiv zu Königsberg nebst Regesten, hrg. Johannes Voigt, Bd. 4, Königsberg 1857 (ND Osnabrück 1965), S. 164- 167.

{Diplomatische Erörterung des Stücks}
Registerüberlieferung.


Littera missa duci Johanni Gorliczensi. Anno XCIII

Irluchter furste grosmechtiger lieber gnediger herre,
uwern brieff uns nuelich gesand und der uns ys in dis gebunge geantwurt haben wir lieblich entpfangen und wol vernomen, in welchim wir geschriben vinden, wie das uwer durchlauch gewest sei bie dem allirdurchlauchtsten fursten unserm allirgne[igsten] herren, dem Romisschen koninge und bie unserm gnedigen herren deme koninge von Ungern und siet mit in ober ein komen von wegen uwer sachin uff ein gancz ende. Und das ir brive von in und von den irluchten fursten marggraven von Merhern dorober habt, das sie iren ganczen willen dorczu gebin und begeret von uns, das wir uch entpieten sulden wo wir czu uch komen muchten ader das ir czu uns ken Schiebelbein ader ken Drawenburg qwemet, wo uns das allirfuglichst were, do weldet ir mit uns reden und umb alle sachin mit uns ober ein komen mit eime ganczen ende.

Und schriebet vordan, das der egenante allirdurchl[uchste] furste, unser gnediger herre der Rom[issche] koning und ir geboten habt noch unser begeer allen uwern mannen und steten in uwer Marke ober Oder das die alle ire brive und ire gerechtekeit bewiesin und beschrebin geben sollen und wer die nich bewiesete und beschreben gebe, das is deme czu schaden komen sal und nicht der herschaft. Und ouch das sie alle irer brive usschrift geben sollen und worczu die herschaft recht habe.

Herre {S.165}allirliebster uns steet wol zcu gedenken, das vor czieten geleden, do noch unser vorfar gutes gedechtnisses liebete und lebete, der ersame herre her Ditherich abt von der Czelle czu unserm vorfar qwam und brachte mit im eine credencie von unserm gnedigen herren dem Rom[isschen] koning und von uwern gnaden. Die selbe credencie innehielt, was her mit unserm vorfar von uwer wegen redte, das man im des gelouben solde, als ab ir selben und muntlich mit im redtet. Herre, der vorgenant herre abt under andern reden in sinen worten do hatte und sprach, mich haben myne herren der Rom[issche] koning und myn herre, herczog Johannes von Gorlicz czu uch gesand und habin mich uch heisen sagen als umb die Mark uff diesseit Oder, das sie uch die vorkoufen ader vorsetczen wellen, umb czu 10 molen hundert tusund golden. Doruff so antwurtte im unser vorfar und sprach, solch gut und sulch geld von uns czu geben, des vermoge wir nicht, und also noch vil reden die do under liefen, schieden sie sich ane ende.

Dornoch in den jaren unsers herren 1392 qwam der egenant herre abt do czu uns ouch mit credencie und hatte in sienen worten und sprach, mich haben czu uch gesand myn allirgnedigster herre der Rom[issche] koning und myn herre herczog Johan von Gorlicz und habin mich uch heisen sagen, das sie uch die Marke ober Oder vorsetczen wellen umb zcu drie molen hundert tuesent golden. Deme wir do unser antwurte goben und sprachin also, lieber herre wir wissen nicht was wir uch hier uff antwurten sollen, wann uns die marke czu mole unkundig ist und wissen ouch nicht was herschaft, was rechtes ader was renthe unser herren habin in der marke, adder was die herren rittere, knechte und stete in der Marke unsern herren pflichtig sin czu tun von rechtes wegen adder wie ire brive sprechen und dorumbe lieber herre, her abt, were is unsern gnedigen herren beheglich und ouch uch  so were das wol unser meynunge und rat, das unsere herren dorczu schicketen einen deme  sie des getruweten, uch ader einen andern, der do czoge in die selbe Marke uff deser siet Oder von huese czu huese, von manne czu manne, von stat czu stat und sege und vorhorte ire brive, ire bewiesunge und ire gerechtekeit, die sie do habin von unserer herren gande und was sie unsern herren pflichtig sin von rechtes wegen und brechte daz alles in eyne schrift adder in eyn buch, itzlichs besundern. Und sprochin ouch, were das man is von uns habin welde, so welde wir gerne unser gebietiger einen adder czwene mite senden und welden die koste gerne tun, und wenne das gescheen were, das wir die schrift geseen hetten, und hetten dirkant, was rechtes und herschaft unser herren yn der selbin Marke hetten, dornoch welde wir gerne dor uff gedenken, was wir unsern herren vor eine antwurt gebin.
Doruff antwurtte uns der herre abt und sprach, das ist wol mogelich, ich wil widder czurucke rieten czu mynen herren und wil sie die rede lasen vorsteen und wil in sagen, das sie is {S.166}  also usrichten und das is ouch geschee und wenne das gescheen ist, so wil ich widder czu uch komen und wil uch eine antwurt brengen und ein gancz ende.

Der antwert wore wir wartende also lange bis das der egenant herre abt in dem selbin 92 jare widder czu uns qwam mit Herman Schoeff, als umb Sente Michel Tag1) ouch mit credencie di do wurben und sprachin, unser herren, die wellen uch die Marke uff disseit  Oder vorsetczen umb czu vumf molen hundert tuesund golden und do antwurtte uns der herre abt, eczliche paier und schrifte, dor ynne beschrebin stunden etczliche rente, urber und czinse, die man uwer herlichkeit doselbest yn der Marke pflichtig ist.

Und do wir die selbin papier obersogen und oberlosen, do antwertte wir dem herren abte doruff und antwerten noch also doruff, wir kunnen uns us dem papier nicht entrichten und wissen ouch nicht, was wir unsern herren und uch doruff  antwerten sollen. Want die papiere sint geschriben und gemachet vor vumfczig jaren und do czu den geczieten die selbin rente als sie do geschriben steet gefielen, aber was nu dor von gefellet adder gevallen moechte, des wissen wir nicht und hirumb herren allirliebster, so were noch huetestages unser rat und meynunge als verre ab is uwern gnaden behagete, das ir noch dorczu woldet schicken den selbin abt ader weme ir des getruetet uff einen tag  und uff eine cziet die uwer herlichkeit beqweme were und uns das vorschrieben weldet, so welden wir dorczu senden unserer gebietiger einen, der mit dem egenanten abte czoge von huese czu huese, von stat czu stat, von manne czu manne und beschrebin eigentlichin alle rente, alle czinse, alle urber und aller rechte, die uwer herlichkeit dorinne hat und wenne das gescheen were, das denne der egenante herre abt adder wen ir dorczu schicketet mit unserm gebietiger zcu uns rieten und uns eygentlichin undirrichten, wie sie die sachin und alle ding vunden hetten.

Herre allirliebster, dornoch welde wir dene den selbin unsern gebietiger mit dem egenanten herren abte, adder wen ir dorczu sentet, widder czu uwern gnaden senden und uwer herlichkeit zcu dirkennen geben, was wir mit unsern gebietigern czu den sachin thuen muchten, uff das sich denne uwer herlichkeit wuste dornoch czu richten.

Und weres denne herre, das is Got unser herre also fugete, daz wir mit uwern gnaden ober ein tragen muchten ader trugen umb das selbe land, herre, wenne das gescheen were, so were denne wol  unser meynunge, das denne uwer herlichkeit riete in die Marke und do kegen welden wir czu uch senden yn die selbe Marke unsere gebietiger, die des macht hetten. So muchtet ir denne das selbe land und die lute von uch wiesen mit hande und mit munde als sich das gehort, wand is werlichen herre leider Got sei is geclagt also mit uns gewandt ist zcu desir cziet, das wir selbin mit nichte us dem lande komen moegen.

Doch ober alle rede is das uwer gnade mit uns sprechen wil, so welle  wir gerne uwer her- {S. 167} lichkeit enkegen rieten, so wir vorderst moegen an unsers landes grenitcze uch czu dinste und wellen mit uwern gnaden gerne sprechin. Wend wir besorgen weres das uwer herlichkeit sust in die Marke qweme als ir uns geschriben habt und wir adder die unsere kegen uch ouch qwemen, dass uwer gnade die grosse czerunge und koste umbsust tete und ouch wir, das were uns herre leid. Sunderlich so besorgen wir weres das uwer gnade nu in die Marke qweme mit grosen kosten und czerungen und ir und wir uns do ane ende schieden, das denne lichte uwer gnade iren ungunst und ungnade uff uns und uff unsern orden werfen moechte, das uns czu mole leit were und wir czu mole ungerne uwer ungunst und ungnade vordienen welden.

Und hirumb herren allirliebster, was uwer herlichkeit hie bie gevellet zcu thuen adder czulasen, das bitten wir uns als von unserm besundern herren gnedeclich czu vorschriebin mit uwern brieven und bie eime loufenden boten, das wir uns dornoch moegen richten. Wandt wir wellen alle ding halden also, das deser brief uswieset.

Ouch lieber herre so hat von den selbin sachin der edele Herman Schoeff ouch rede mit uns gehatt, ee dann uns uwer brieff geantwurtt wart, deme wir des gliech geantwert haben, als her uwer gnade wol undirrichten sal wenne her zcu kumpt.

Gegeben uff unserm huese Marienburg in den jaren etc. XCIII am Frietage neest von Epiphanie.2)


Inhaltliche Anmerkungen

1) 1392 September 29.
2)1393 Januar 4.


Zitieren dieser Edition: (1) virtuell: URL (http://www.spaetmittelalter.uni-hamburg.de/Urkundenbuch/pub/js-fs/js-fs98.htm) und Datum der Einsichtnahme; (2) im Druck: PrUB, JS-FS 98 (1393 Januar 4. Marienburg.)
Bearbeitungsstand: Text eingegeben (31. Juli 2003 Frauke Schmitz) – Datum überprüft (31. Juli 2003 Frauke Schmitz) – Text mit PrUB oder sonst Druck kollationiert (31. Juli 2003 Frauke Schmitz) – Text mit Or. kollationiert () – äußere Merkmale beschrieben ()
   
Datum der Erstanlage: Donnerstag, den 31. Juli 2003 — Letzte Änderung: 1. Februar 2005 von Jürgen Sarnowsky

Zurück zur Hamburger Homepage   / zurück zur Regestenliste für 1393.